Abruzzen 2003

Rimini - Assisi - Piano Grande
Lago di Campotosto - Campo Imperatore - Napoli

Direkt zum
Reisebericht

 

 
   

Alex, Frank, Fred und Kalli auf Tour

Mit dem Motorrad in die Abruzzen

Gelegen im Zentrum der Apenninhalbinsel, mit Erhebungen bis an die Dreitausendergrenze, werden die Abruzzen zurecht als das Dach Italiens bezeichnet. Der Wechsel von zerklüftetem Hochgebirge und sanftem Hügelland prägt das Bild einer Landschaft, die durch ihre Unzugänglichkeit über Jahrhunderte ihre Eigenständigkeit bewahrt hat.

Alles läuft wunderbar nach Plan. Die sonntägliche Gewerbemesse auf der Alex und Fred in diesem Jahr ausstellen wird zeitgerecht beendet, die Motorräder sind bereits reisefertig und so geht es endlich einmal pünktlich in den Urlaub. Die Anfahrt ist so simpel wie nie: Wir fahren einfach bis zur Bahnverladung nach München. Bereits mit acht Monaten Vorlauf haben wir den Autoreisezug München-Rimini und für die Rückfahrt die Strecke Neapel-München gebucht. Wie die Schneekönige freuen wir uns auf neun Tage Herbsturlaub. Immerhin ist kaum einer während des Jahres zum geliebten Motorradfahren gekommen.

Es geht also endlich los. Die Motorräder werden verladen und wir beziehen unser Zugabteil. Von Freunden aus München werden wir am Bahnsteig noch mit einem guten Bierchen standesgemäß verabschiedet. Für die kommende Nacht im Zug ist mit einer Brotzeit und reichlich Wein vorgesorgt. Es ist ein superentspanntes Reisen als wir am nächsten Tag absolut ausgeruht bei Sonnenaufgang in Rimini den Zielbahnhof erreichen.

Zuerst suchen wir in einem gemütlichen Dörfchen ein Cafe in dem wir ausgedehnt Cappuccino trinken und die Tagesroute festlegen. Ziel ist die Klosterstadt Assisi in der Fred´s Cousine Nonne ist. Über Landstrassen, die über sanfte Hügel führen, erreichen wir gegen Spätnachmittag das Kloster und erhalten sogar in deren Fremdenbereich ein Zimmer zum nächtigen. Die Stadt habe ich mir nie so eindrucksvoll vorgestellt. Dominierend ist die riesige Basilika des heiligen San Francesco, wunderschön die Altstadt mit ihren Piazzen und absolut grandios der Sonnenuntergang.

Aber wir wollen ja keine Städte besichtigen und auch nicht in Hotelzimmern schlafen. Wir wollen mit den Motorrädern Bergpfade erklimmen und wild Zelten. Das treibt uns weiter nach Süden. Als grobes Ziel ist ein Hochplatteau mit dem eindrucksvollen Namen ´Piano Grande´ auserkoren. Die Fahrt dorthin über kleine Asphaltstrassen und gelegentliche Abkürzungen über Schotterstrecken macht riesig Spass. Irgendwann kommen wir auch an und bestaunen das vor uns liegende Platteau. Auf 10 Kilometer Länge und einer Breite von 7 Kilometern ist alles bretteben. Die das Platteau umgebenden Berge wirken grandios.

Wir verweilen einige Minuten und beschäftigen uns dann mit der Suche eines geeigneten Schlafplatzes. Den finden wir dann recht schnell am Ende eines Tales neben einer Herde freilaufender Pferde. Mitten in der Nacht setzt ein Unwetter ein und es muß das Zelt noch bei Regen nachgespannt werden. Am nächsten Tag ist die Wiese so stark aufgeweicht, dass es schon fast eine Sumpflandschaft ist. Wir bauen das Zelt ab, räumen die Reste weg und wollen weiter fahren.

Die Route führt über einen kleinen Weg auf einen Berg. Durch den Regen ist der Weg so glatt, dass erste Stürze die Folge sind. Die Reifen finden in dem aufgeweichten Lehmboden keinen Halt und schmieren einfach seitlich weg. Gut dass alle Enduros haben. Das Wetter bleibt an diesem Tag leider bescheiden.

Abends läßt sich noch ein geöffneter Zeltplatz finden und wir sind die einzigen Gäste - kein Wunder: Inzwischen ist Oktober und in diesen Höhenlagen ist es tagsüber kalt und nachts eiskalt. Mauro der Zeltplatzwirt freut sich über die Gesellschaft und versorgt uns mit leckerem Essen (frische selbstgemachte Tagliatelle) und einem nicht zu verachtenden Hauswein.

Die Nacht wird heftig. Erneut kommt ein Unwetter mit starken Windböen und heftigen Regenschauern auf. Es ist eiskalt im Zelt. Nur gut, dass alle vernünftige Schlafsäcke haben. Diesmal war immerhin das Zelt ordentlich aufgebaut und auch abgespannt. Der Zeltplatz hat eine superschöne Lage. Direkt am Lago di Campostosto mit Blick auf das großartige Gran Sasso Gebirgsmassiv. Wir wollen für eine weitere Nacht bleiben und machen eine Tagestour zum ´Campo Imperatore´. Wegen des schlechten Wetters bleibt leider einiges an Landschaft verborgen.

Wieder einmal wollen wir eine Strasse befahren die als ´landschaftlich sehr schön und klein´ auf der Landkarte markiert ist. Leider wird diese Strasse immer enger und endet am Schluss in einen Wiesenweg, den man eher bewandert als befährt. Aber es ist zu spät. Der vom Regen aufgeweichte lehmige Boden gibt nach und es gibt schon wieder einige Stürze. Erstes Meckern in der Mannschaft macht sich breit:

"Muss denn das jetzt wirklich sein?".

Es geht ein Stück weiter, dann liegt auch Frank im Gras. Durch den Sturz ist der Bremshebel abgebrochen. Eine fatale Situation: Die Wiese liegt am Hang. Die Stollenreifen sind vom Lehm zu und haben dadurch kein Profil mehr, die Wiese ist patschnass. Aus eigenem Antrieb geht nichts mehr. Also unternehmen wir vereint eine Rettungsaktion und bringen das Motorrad wieder auf Kurs. Inzwischen ist klar, dass dieser Weg unpassierbar ist. Wir wollen umkehren. Aber so leicht geht das auch nicht. Das lehmige Zeug schiebt sich über das Vorderrad unter das Schutzblech und unter die Gabel, am Hinterrad bis unter die Sitzbank und den Auspuff.

Die Räder blockieren, die Kupplung raucht. Es geht keinen Zentimeter mehr vorwärts. Jetzt muß das ganze bazige Zeug rausgekratzt werden. Teilweise werden sogar die Schutzbleche demontiert. Dieser Vorgang wiederholt sich alle paar Meter, aber irgendwann ist es geschafft. In der nächsten Ortschaft fahren wir eine Tankstelle mit Hochdruckreiniger an. Nicht mal mit dem geht das Lehmzeug richtig weg.

Wir sind froh, als wir abends wieder bei unserem Zeltplatz eintreffen. Diesmal gibt’s einen Grillteller und reichlich verdientes Bier, natürlich auch Hauswein. Am nächsten Tag scheint auch wieder die Sonne und es geht weiter in den Abruzzen-Nationalpark, in dem es noch wilde Wölfe und Bären geben soll. Aber die verstecken sich wohl. Beim Pausieren an einer Waldstrasse hören wir eindeutig (3:1 gegen Alex) das Gebrüll des Abruzzenbären. Wir suchen schnellstmöglich das Weite. Alex glaubt noch heute an einen Elch!

Leider müssen wir auch an das Ende der Tour denken. Immerhin müssen bis zum Autoreisezug nach Neapel noch einige Kilometer zurückgelegt werden. Auf den Weg über die endlose Autobahn bietet sich ein Abstecher auf den Vesuv an, den man bis auf wenige Meter unterhalb des Kraters befahren kann. Auf einmal sind wir umgeben von Touristenmassen, Bussen und Mengen an Abfall der einfach am Strassenrand hinterlassen wurde. Uns wird bewußt wie schön es doch die letzten Tage in einer touristisch eher unerschlossenen Provinz Italiens war.

Neapel wird wegen des Trubels vermieden. Schon auf der Tour haben wir uns überlegt wie die Sonne wohl über der nahen Insel Capri untergeht. Immerhin wird der Sonnenuntergang sogar besungen. Also nichts wie hin. Auf einem Zeltplatz direkt an der Steilküste ist der optimale Platz um dieses Spektakel zu besichtigen. Am Folgetag fahren wir die Amalfiküste ab und geben uns nochmal den Sonnenuntergang. Tags drauf stürzen wir uns in das Verkehrsgewühl von Neapel um zum Autoreisezug zu kommen. Nach einigem Suchen ist der Terminal erreicht und wir checken ein. Selbstverständlich ist für die nächtliche Zugfahrt mit entsprechendem Proviant und Vino vorgesorgt.

Kalli